Der Westernreitsport
Seinen Ursprung hat das Westernreiten im „Wilden Westen“ Amerikas. Über die Weiten Gebiete des amerikanischen Westens erstreckten sich ursprünglich endlose Prärien. Über dieses Grasland zogen vor der Besiedlung durch die europäischen Einwanderer Millionen von Bisons. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie fast ausgerottet. An ihrer Stelle ernährte das Land nun Fleischrinder. Rancher hatten sich niedergelassen und nutzten die Möglichkeiten, die ihnen das Land bot. Um die weiten Wege zu absolvieren zu können, aber auch, um das Vieh kontrollieren, betreuen und versorgen zu können, war das Pferd unentbehrlich.
Der Cowboy stellte dafür besondere Anforderungen an sein Pferd. Wie etwa Nervenstärke und Trittsicherheit im Gelände. Auch musste das Pferd ein gutes Sprintvermögen haben, um mit einem davon stürmenden Rind mithalten zu können. In heiklen Situationen musste es ruhig bleiben, also war ein ausgewogenes Temperament notwendig.
Ein gutes Pferd erleichterte des Cowboys harte Arbeit wesentlich.
Viele der ursprünglichen Bewertungskriterien für ein gutes Ranchpferd werden in der Wersternpferdezucht heute noch berücksichtigt und finden sich in den Regeln für Westernreitturniere wieder. Auch die Reitweise musste zweckdienlich sein. Ein wesentliches Merkmal des Westernreitstils ist der Impulsbefehl: Ein kurzes Signal musste reichen, um dem Pferd einen Befehl zu erteilen. Denn die Konzentration des Reiters galt seiner eigentlichen Arbeit und nicht der "Reitkunst" – also minimale Hilfengebung auf der Basis eines wohlerzogenen und disziplinierten Pferdes, das zur Mitarbeit animiert wird.
Damit ergibt sich der Unterschied zwischen der „klassischen“ Reitweise in Europa und der Westernreitweise. Es ist das Ziel der Ausbildung. Die „klassische“ Reitweise fordert die starke Versammlung des Pferdes und die Kontrolle jeder einzelnen Bewegung des Pferdes durch den Reiter. Dressuren der gehobenen Klasse sind „Reit-Kunst“. Das fertig ausgebildete Westernpferd dagegen ist vorrangig ein Arbeitspferd, welches durch die Ausbildung zu einem selbstständigen Mitarbeiter des Reiters erzogen wird. Es soll mit einem Minimum an Hilfen seitens des Reiters auskommen und trotzdem jederzeit der absoluten Kontrolle des Reiters unterliegen. Das Westernreiten basiert auf Elementen und Übungen, die das Pferd in seinen natürlichen Bewegungen bereits grundsätzlich kennt und beherrscht. Einhändige Zügelführung ist ein Merkmal.
Aus diesen Forderungen resultiert beim Westernreiten das Reiten am angemessen losen Zügel sowie die einhändige Zügelführung auf Kandare beim fertig ausgebildeten Pferd. Auch der angestrebte losgelassene Gleichgewichtssitz des Reiters, der kreuz und Schenkel nur bei Bedarf einsetzt und sich ansonsten eher tragen lässt, statt das Pferd laufend an die Hand heranzureiten, ist typisch für das Westernreiten.
Wie in der „klassischen“ Reitweise wird das Pferd mit Trense und beidhändiger Zügelführung angeritten und erst dann beim Westernreiten langsam auf die einhändige Zügelführung im Bit umgestellt.
Parallel zur Entwicklung des Westernreitstils versuchten sich die Cowboys ihr Leben durch die gezielte Zucht gewünschter Verhaltensweisen und Körperbaumerkmale beim Pferd zu erleichtern. Gebraucht wurde ein kräftiges, zugleich sprintstarkes und ausdauerndes Pferd mit ruhigem, zuverlässigem Temperament. Aus diesen Zuchtzielen entstanden drei eigene Westernpferderassen: das Quarter Horse, Paint Horse und der Appaloosa.
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